Die Autosystemhypnose® wurde von dem Neurologen und Psychiater Götz Renartz entwickelt. Sehr komprimiert formuliert schafft die Autosystemhypnose einen Raum, in der ein Mensch über selbstorgsnisatorische Hypnose mit dem eigenen Unbewussten kommuniziert, um in größtmöglicher Selbstverantwortung das eigene Leben zu gestalten, zu verbessern und nicht zuletzt sich selbst zu heilen, beziehungsweise die eigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dazu gehört auch das Wissen darüber, wer oder was zur Unterstützung von außen gebraucht wird. Oder noch kürzer: Autosystemhypnose ist kreative Selbsterkenntnis durch Gespräche mit dem ureigenen Tiefenwissen. Das klingt ein bisschen esoterisch, oder? Aber keine Sorge, das ist alles sehr bodenständig! Die Autosystemhypnose gründet auf zwei starken Fundamenten und ich versuche im Folgenden ein paar Aspekte davon zu beschreiben.

Unsere natürliche Fähigkeit zur Selbshypnose

Was ist Selbsthypnose? Grundsätzlich ist uns die Fähigkeit angeboren, uns selbst in Trance zu versetzen, um uns tieferliegenden Schichten unseres Geistes zu offnen (Intuition). Diese Erfahrung ist den Menschen schon sehr lange bekannt und wird seit Urzeiten eingesetzt. Tagträumen ist so ein Trancezustand. Manchmal entsteht ein leichter Trancezustand bei einer simplen, gleichförmig wiederholten Bewegung. Beim Stricken beispielsweise, vorausgesetzt das Strickmuster erfordert keine konzentrierte Aufmerksamkeit sondern führt in eine Art „routiniertes Reihenstricken“. Ich selbst beispielsweise spüle Geschirr gerne von Hand, weil es so einfach ist und ich dabei so gut abschalten kann. Die Spülwelt ist klein und überschaubar. Oder Autofahren ohne große Störungen oder Konzentrationsanforderung. Wer routiniert ist, macht viele Bewegungen automatisch, nimmt unbewusst alles Relevante wahr und wertet Informationen unbewusst aus, während der Geist in Erinnerungen umherschweift oder nochmal das Wichtigste für den bevorstehenden Kundentermin durchgeht. Entspanntes Joggen auf vertrauter Strecke, oder, oder, oder… Zahlreiche Beispiele im Alltag zeigen nicht nur unsere Fähigkeit zur Selbsttrance, sondern dass es uns oft auch ein Bedürfnis ist, unseren bewussten Geist zu entspannen und ruhen zu lassen.

„Hirn auf Null, Blick auf Unendlich.“

Und das führt mich auch zu unserer Fähigkeit, uns selbst aus der Trance wieder in die Konzentration, in das fokussierte Bewusstsein zu holen. Denn sobald das Strickmuster sich verändert oder eine Masche entgleitet, erwachen wir automatisch aus dem Trancezustand und sind wach und konzentriert. Oder wenn im Straßenverkehr plötzlich eine unbewusste Alarmsituation entsteht. Wenn ich beim Musikhören von einem Kuss überrascht werde. Wenn beim Malen jemand an die Zimmertüre klopft…

Hypnose ist zweckdienliche Trance

Und nun haben wir darüber hinaus sogar noch die Möglichkeit, einen Trancezustand mit einer bestimmten Absicht zu verbinden. Wir können diesen Zugang „unterhalb unseres Verstandes“ nutzen, um uns beispielsweise innerlich an einen anderen Ort zu versetzen. Oder wir stellen uns eine Körperbewegung vor und können sie auch wirklich spüren, ohne dass wir sie tatsächlich ausführen. Moishe Feldenkrais hat das für seine Bewegungsschule genutzt. Ein weiteres Beispiel ist die plastische Vorstellung, herzhaft in eine Zitrone zu beißen… Manche Zahnarztpatienten setzen Selbsthypnose ein, um zeitweilig das Schmerzempfinden zu unterdrücken.

Das humanistische Menschenbild

Die zweite Säule der Autosystemhypnose ist das im Humanismus begründete Bild des selbstverantwortlichen und sich selbst organisieren und weiterentwickelnden Menschen. Davon ausgehend heißt die Autosystemhypnose auch selbstorganisierende Hypnose. Wir Menschen sind lebendige Systeme wie Tiere und Pflanzen auch. Vom Augenblick unserer Entstehung als Lebenwesen beginnen wir, uns in Richtung Autonomie zu entwickeln. Wenn wir dabei nicht gestört werden, sind wir, während wir heranwachsen immer besser imstande, in der Interaktion mit unserer Umgebung selbst für die Befriedigung unserer Bedürfnisse zu sorgen. Das bedeutet, dass wir uns immer mehr in Richtung Selbstorganisation entwickeln – körperlich, seelisch/emotional und geistig. Mit dieser Fähigkeit, zwischen Anpassung und Individuation unseren Weg zu finden, unseren Platz in der Welt einzunehmen, sie mitzugestalten, uns auszudehnen, Neues zu lernen und zu integrieren wachsen auch unsere Selbstheilungskräfte und unsere Fähigkeit, uns zu schützen. Leider kann es jedoch sein, dass aus vielen Gründen auch unsere destruktiven Anteile und unsere Selbstzerstörungskräfte wachsen. Allerdings geht dieses positive, kompetenzbasierte Menschenbild davon aus, dass es sich bei den destruktiven Anteilen stets um eine Art Notptogramm handelt, um einen guten Zustand wiederherzustellen. Kurz gesagt: das humanistische Menschenbild ist von Grund auf positiv, zugewandt und am Wohl der Gemeinschaft orientiert.

Weiterführende Literatur

Vorträge von Götz Renartz: